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SG006 Masse m (Trägheit)

© H. Hübel Würzburg 2013

Kraft

Trägheitsmoment

Glossar

Physik für Schülerinnen und Schüler

Impres-sum

Ein Moped kann schon durch einen relativ kleinen und schwachen Motor aus der Ruhe beschleunigt werden. Es kann evtl. sogar schneller in Bewegung gesetzt werden als ein voll beladener LKW, obwohl dieser einen vielfach stärkeren Motor besitzt. Was macht den Unterschied aus?

Einerseits: trotz kleiner Antriebskraft große Beschleunigung (Moped); andererseits: trotz riesiger Antriebskraft nur kleine Beschleunigung (LKW)?

Man sagt, das Moped mit seinem Fahrer ist weniger "träge" als der LKW mit seiner Last.

      Die Masse m ist ein Maß für die Trägheit eines Körpers.     

Wegen seiner Trägheit versucht ein Körper, seinen Bewegungszustand beizubehalten. Das gelingt ihm, wenn keine Kräfte auf ihn einwirken. Bei gleicher Kraft gelingt ihm das umso besser, je größer seine Masse / Trägheit ist. Ein bewegter Körper versucht, Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung ("geradeaus") beizubehalten. Ein ruhender Körper versucht, weiterhin in Ruhe zu bleiben.

(Es kann sein, dass die Bewegung in unterschiedlichen Bezugssystemen anders beschrieben wird. Das Bezugssystem, in dem ein kräftefreier Körper ruht, wird Inertialsystem genannt.)

Die Masse ist eine Eigenschaft des Körpers. Sie ist charakteristisch für ihn. Jeder Körper ist überall gleich träge*); er ist ja überall derselbe. Ein Moped mit seinem Fahrer besitzt eine geringere Masse /Trägheit als ein voll beladener LKW.


Die Einheit der Masse ist 1 kg:

    [m] = 1 kg  


Grob gesagt hat 1 𝓁  Wasser die Masse 1 kg. Das kannst du dir gut vorstellen.

(Zur Definition von 1 kg hat man früher ein "Urkilogramm" in Paris verwendet. Bei der heutigen Definition spielt eine extrem präzise gearbeitete Kugel von ca. 10 cm Durchmesser aus Silizium und die Anzahl der in ihr enthaltenen Atome eine Rolle.)


Die Masse/Trägheit eines Körpers wird in Kilogramm (kg) gemessen. Ein Moped mit seinem Fahrer hat eine Masse von ca. 75 kg, ein voll beladener LKW hat eine Masse von vielleicht 4000 kg.

Wie groß ist deine Trägheit/Masse? Kleiner oder größer als 50 kg? Auf der Erde wie auf dem Mond, überall hast du die gleiche Masse/Trägheit. Sie ist ja schließlich eine Eigenschaft deines Körpers.

Bringt man einen Körper mit einer Masse m in die Nähe eines Körpers mit der Masse M, z.B. einen Himmelskörper, so sind merkwürdigerweise die beiden Massen m und M Ursache für ihre Gravitationsanziehung. Die Anziehungskraft hängt von beiden Massen ab. So ist auch die Gewichtskraft FG, die die Erde mit ihrer Masse M auf einen Stein der Masse m ausübt, durch beide Massen bestimmt. 

Das hat dazu geführt, dass man die Masse auch als "Gravitationsladung" - ein nicht ganz offizieller Begriff - auffassen kann. Elektrische Ladungen sind die Ursache für ein elektrisches Feld. Das elektrische Feld wiederum erzeugt eine Kraft auf eine weitere elektrische Ladung. Genauso sind Massen die Ursache für ein Gravitationsfeld. Das Gravitationsfeld wiederum erzeugt eine Kraft auf eine weitere Masse.

Nur in einem vereinfachendem Sinn kann man die Masse m auch als die "Ursache der Gewichtskraft" auf der Erde ansehen. Für den Betrag der Gewichtskraft auf den Körper gilt ja: FG = m·g. Die Masse der Erde M ist dabei im Ortsfaktor g "versteckt".

In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer "schweren Masse" eines Körpers, die bei einem festen Ortsfaktor die wirkende Gewichtskraft bestimmt.  Im Unterschied dazu misst die "träge Masse" die Trägheit des Körpers. Beide Massen haben den gleichen Betrag.


Ausblick:

*) Nur bei sehr schnell bewegten Körpern wurde das früher im Rahmen der Relativitätstheorie etwas modifiziert. Bei sehr schnell bewegten Körpern sprach man früher von einer "bewegten Masse", die geschwindigkeitsabhängig sei. Dieses Konzept hat man heutzutage aufgegeben, weil sich damit die Relativitätstheorie nicht in sich stimmig formulieren lässt, und weil man alles, was man früher mit einer bewegten Masse erklären wollte, z.B. auch mit der Energie erklären kann. Zudem besteht die Gefahr falscher Schlüsse im Zusammenhang mit dem 3. Newton-Gesetz. Man verwendet heute stattdessen nur mehr die konstante, geschwindigkeitsunabhängige Ruhemasse. Wenn hier von Masse die Rede ist, ist stets die Ruhemasse gemeint.

Kernpunkt der heutigen Auffassung ist der in beiden Fällen korrekte Zusammenhang zwischen Masse m und Impuls p. Früher konnte man formulieren: p = m·v, wobei die geschwindigkeitsabhängige Masse m = m0/√[1-(v/c)2] ist. Heute sagt man: p = m0/√[1-(v/c)2] , und verwendet nur mehr die geschwindigkeitsunabhängige Ruhemasse m0, die dann m genannt wird. v ist die Geschwindigkeit des Körpers, c die Lichtgeschwindigkeit. Wenn der Körper im betrachteten Bezugssystem ruht (v = 0), stimmen beide Massen überein.

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( Oktober 2013; Februar 2024 ergänzt )